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Die trockenen Ebenen von Borana, Äthiopien, erzählen Geschichten von Überlebenskampf und Widerstandskraft. Hier kämpfen die Menschen seit Generationen mit wiederkehrenden Dürren. Das Überleben hängt vom Regen ab, von der Ernte und traditionell vom Bestand der Viehherden. Rinder waren stets die Lebensgrundlage der Menschen, doch die brauchen viel Wasser. Millionen Kühe sind in den letzten Jahren elend verendet und lassen die Familien hungernd zurück. Das Leben ist hart, besonders für die Frauen. Sie sind die Säulen der Gesellschaft, verantwortlich für die Familien, das Essen, das Wasser, die Ernte, die Zukunft. Auf ihnen lastet enorm viel. Doch unser Projekt schafft Veränderung. Diese sechs Frauen haben ihr Schicksal gewendet und wurden zu Vorbildern. Sie stehen für viele weitere Frauen, die diesem Beispiel mit Wissen, Mut und Unterstützung folgen können – wenn wir helfen!
Mit größtem Bedacht auf Hilfe zur Selbsthilfe arbeitet Sei So Frei gemeinsam mit der Organisation SCORE (Spiritan Community Outreach Ethiopia – die Gemeinschaft der Spiritaner) an einem Projekt, das weitreichende Auswirkungen hat. Frauen, die große Familien versorgen müssen, stehen dabei im Mittelpunkt. Sie erhalten Kleintiere, die wesentlich dürreresistenter sind als Rinder, und werden in Milchwirtschaft und Tierhaltung geschult. Sie erhalten Saatgut, Werkzeug und Ausbildungen zu nachhaltiger, angepasster Landwirtschaft. Sie bekommen Zugang zu Spargruppen und Bildung in Unternehmertum. Dazu bauen wir Brunnen, die die Grundvoraussetzung für Entwicklung sind. Diese Frauen haben es mit unserer gemeinsamen Hilfe geschafft und erzählen uns bei unseren Besuchen ihre Geschichte. Es sind Geschichten, die zeigen, wie direkt, unmittelbar und effizient die verschiedenen Bereiche unserer Projektarbeit das Leben dieser Frauen zum Positiven verändern.
#01. Jilo Wario hat elf Kinder. Ihre Familie verlor während der letzten Dürrekatastrophe ihre gesamte Lebensgrundlage – ihre Kühe. Sie waren verzweifelt, stark unterernährt. Doch dann änderten wenige Stück Kleinvieh für sie alles. Drei Hühner und ein Hahn klingen für Familien von bis zu 13 Personen nicht viel, doch für Jilo machten sie den alles entscheidenden Unterschied: „Noch vor zwei Jahren litten meine Kinder und ich täglich Hunger. Jetzt gibt jedes meiner Hühner ungefähr 25 Eier pro Monat! Ich lerne gemeinsam mit anderen Frauen über Geflügelaufzucht und kann am Markt Eier und sogar mittlerweile Hühner verkaufen“, erzählt Jilo begeistert. „Meine Kinder sind gut ernährt und ich verdiene genug Geld, um etwas zu sparen. Durch meine Frauengruppe, die auch durch das Projekt organisiert ist, habe ich einen Kleinkredit bekommen. Damit kann ich einen Stall bauen, gutes Futter für die Hühner kaufen und sie weiter züchten. Und das Wichtigste: Ich kann meine Kinder zur Schule schicken. Ich kann es kaum glauben.“
#02. Habiba Boya steht auf ihrem Feld, die Erde rieselt durch ihre Finger. „Früher dachte ich, unser Land sei tot“, sagt sie. „Wir haben gesät und gesät – doch die Ernte reichte kaum zum Überleben.“ Die Angst um ihre neun Kinder war allgegenwärtig. Dann lernte sie eine neue Art zu pflanzen, eine Methode, die den Boden schützt und das wenige Wasser speichert. „Das hat meine Denkweise völlig verändert“, erzählt sie. „Ich habe gelernt, effizient zu pflanzen, den Boden zu schützen und unser Regenwasser optimal zu nutzen.“ Mit dem Saatgut, das sie erhielt, verdoppelte sich ihre Ernte. „Jetzt haben wir genug zu essen. Ich kann Vorräte anlegen. Die nächste Dürre macht mir nicht mehr so viel Angst.“ Habiba gibt ihr Wissen weiter, weil sie weiß, dass es noch viele Frauen gibt, die nachts mit leerem Magen ins Bett gehen. „Mit Wissen können wir den Hunger bekämpfen. Mit Widerstandskraft können wir unsere Zukunft sichern.“
#03. Garo Galma beschreibt die Zeit, bevor sie in die Spargruppe aufgenommen wurde so: „Nach der Dürre hatte ich nichts – außer Hoffnung.“ Die 45-jährige Mutter von acht Kindern erhielt zwei Ziegen – für sie eine unvorstellbare Chance. „Sie waren ein Segen“, erinnert sie sich. „Sie bekamen Nachwuchs, und plötzlich hatte ich vier. Eine Einkommensquelle – und ein Symbol für Fortschritt.“ Durch den Verkauf von Milch begann sie zu sparen. Dann erhielt sie einen Kredit, eröffnete einen kleinen Laden an der Straße. „Ich wusste sofort, was ich tun musste“, erzählt sie. „Ich kaufte Wasser, Softdrinks und Snacks. Die Leute in meinem Dorf brauchten das.“ Heute verdient sie genug, um ihre Familie zu ernähren und ihre Kinder in die Schule zu schicken. „Jede Woche zahle ich etwas ein. Wenn ich an der Reihe bin, erhalte ich die gesammelten Gelder. Das gibt mir Sicherheit – und es verbindet uns Frauen. Ich bin nicht mehr dieselbe Frau wie früher“, sagt sie mit Nachdruck. „Ich habe gelernt, dass Veränderung möglich ist.“
#04. Qabalee Guracha lacht, wenn sie an ihren ersten Verkauf denkt. „Es war nur ein Ei“, sagt sie. „Aber als ich die Münzen in der Hand hielt, wusste ich: Das ist der Anfang.“ Die 52-jährige Mutter von fünf Kindern kämpfte jahrelang ums Überleben. „Oft hatten wir fast nichts zu essen“, erinnert sie sich. „Das Schlimmste? Meine Kinder hungrig zur Schule zu schicken.“ Dann trat sie der Spargruppe bei. Sie erhielt zwei Ziegen, vier Hühner – und neues Wissen. „Ich habe gelernt, mit Geld umzugehen, ein Geschäft aufzubauen.“ Nach Monaten verkaufte sie die Tiere mit Gewinn und startete ihr Geschäft. „Jetzt verkaufe ich Milch, Zucker, betreibe einen Imbiss – sogar einen Ochsen habe ich gekauft!“ Heute ist sie finanziell unabhängig. Sie sieht die Frauen in ihrem Dorf, die noch zögern. „Ich sage ihnen: Probiert es aus! Das erste Ei, das erste verkaufte Kilo Zucker – das war der Moment, in dem sich alles änderte. Ich hätte nie gedacht, dass ich es schaffe – aber hier bin ich!“
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Mit Wissen können wir den Hunger bekämpfen. Mit Widerstandskraft können wir unsere Zukunft sichern.
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Habiba Boya, Teilnehmerin am Projekt von SCORE
#05. Diramu Sarba erzählt mit Hingabe: „Wir sind morgens losgelaufen und kamen erst am Nachmittag zurück. Wir waren müde, erschöpft. Aber wir hatten keine Wahl.“ Acht Stunden am Tag verbrachte sie damit, Wasser zu holen. Das bestimmte ihr Leben. „Wenn du Wasser holen musst, bleibt keine Zeit für etwas anderes“, sagt sie. „Kein Handel, keine Felder, keine Familie.“ Dann wurde der Brunnen in ihrem Dorf repariert. „Plötzlich war das Wasser fünf Minuten entfernt. Ich wusste nicht, was ich mit all der Zeit anfangen sollte.“ Doch schnell merkte sie: „Ich kann mich um meine Kinder kümmern. Ich kann meine Felder richtig bestellen. Ich kann auf den Markt gehen. Ich kann planen – zum ersten Mal in meinem Leben.“ Sie hebt einen alten Wasserkanister hoch. „Früher war das meine Last. Jetzt ist er nur noch eine Erinnerung. Jetzt bin ich frei.“
#06. Gudo Garbicha, eine junge Schülerin aus Haydima, kennt die Last des Wasserholens nur zu gut. „Wir Mädchen teilten die Arbeit mit unseren Müttern. Wir liefen stundenlang unter der sengenden Sonne.“ Wenn sie zurückkamen, waren sie erschöpft. „Manchmal war es zu spät für die Schule. Und selbst wenn wir es schafften, konnten wir uns nicht konzentrieren.“ Viele Mädchen brachen die Schule ab – weil Wasserholen wichtiger war als Bildung. Doch dann kam der neue Brunnen. „Jetzt ist das Wasser nur fünf Minuten entfernt“, sagt sie. „Jetzt können wir in die Schule gehen. Wir haben die Kraft, uns auf unsere Ausbildung zu konzentrieren.“ Gudo sieht nicht nur ihre eigene Zukunft klarer – sie weiß, dass auch ihre Mutter nun mehr Zeit hat, auf dem Feld zu arbeiten oder Handel zu treiben. „Das verändert alles“, sagt sie. „Jetzt wissen wir: Wir haben eine Chance.“
Diese sechs Frauen haben es geschafft. Sie leben ein unabhängiges Leben. Aber viele Frauen stehen noch dort, wo sie einst standen. „Es braucht ein bisschen Wissen. Ein bisschen Hilfe. Und dann – dann tun wir den Rest selbst“, sagt Garo und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Alle Maßnahmen in unserem Projekt, das wir in Kooperation mit unserem Projektpartner SCORE seit einigen Jahren, seit der letzten verheerenden Dürrekatastrophe 2022 in Borana umsetzen, greifen ineinander. Sie greifen direkt in den Alltag der betroffenen Familien ein und sorgen für Nahrung, Einkommen, Gesundheitsversorgung, Bildung und Frieden.
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Die Frauen in Borana in Äthiopien tun alles Menschenmögliche, um ihre Familien zu versorgen und sich selbst ein eigenständiges Leben aufzubauen. Starthilfen in Form von landwirtschaftlicher Ausbildung, Ziegen und Hühnern, Wasserversorgung und organisierten Spargruppen machen sie unabhängig. Unterstützen Sie uns dabei, diese Hilfe zur Selbsthilfe weiterhin – und für noch mehr Frauen – zu ermöglichen!
SEI SO FREI.
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