WASSER & BILDUNG

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Brunnen bringen Hoffnung in Burkina Faso

FÜR NAHRUNG,

GESUNDHEIT & ZUKUNFT

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Seit über 20 Jahren setzte sich Bruder und Schwester in Not gemeinsam mit Sei So Frei für die ärmsten Menschen in Burkina Faso ein. Dringend benötigte Brunnen bringen Zukunftschancen für die gesamte Gegend. Mittlerweile können sich die Menschen selbst versorgen.

Die Sonne brennt auf die blätterlosen Büsche. Die Region Diapaga, 600 km östlich der Hauptstadt Ouagadougou gehört zu den trockensten Zonen Afrikas. Dieses Gebiet war lange ein Ort ohne Zukunft. Kein Wasser, keine Nahrung und keine Bildungsmöglichkeiten. Für viele der ansässigen Bewohner ein Grund, ihre angestammten Dörfer und Familien zu verlassen. Doch es gibt Hoffnung: „Seit wir Brunnen bauen, gibt es hier Gemüse. Ernährungsmängel gehen zurück“, erklärt Louis Tankoano, Leiter der Organisation Tin Sedi („Wir richten uns auf“). Wir sind stolz, dass dies eine Projektregion ist, die künftig auf eigenen Beinen stehen wird.

FRAUEN PROFITIEREN VON BRUNNEN

Rachell musste jeden Tag bereits vor Sonnenaufgang Wasser vom kilometerweit entfernten Brunnen holen. Den mit 10 bis 15 Liter Wasser befüllten Eimer trug sie den langen Weg zurück auf dem Kopf. Manchmal war der Andrang beim Brunnen so groß, dass sie stundenlang warten musste und bei extremer Trockenheit reichte das Wasser nicht immer für alle. In Burkina Faso ist Wasserholen und Holz sammeln Aufgabe der Frauen. Dazu kommt die Versorgung der Kinder, das Stampfen und Kochen von Hirse und die Haushaltsführung. In diesem Sahel-Land wird das Wasser immer seltener. Die Situation spitzt sich infolge mangelnder Regenfälle und steigender Abholzung von Jahr zu Jahr zu. In den vergangenen 20 Jahren kam es in den Ländern südlich der Sahara zu extremen klimatischen Veränderungen: Die Niederschlagswerte sanken und die Temperaturen stiegen. Die Dürreperioden dauern nun länger und wer hier überleben will, muss die Regenzeit bestmöglich nutzen.

Deshalb war unser Projekt so wichtig. Seit 2002 arbeiteten Sei So Frei und Bruder und Schwester in Not mit Tin Sedi zusammen. „Einen Brunnen in der Nähe zu haben bedeutet nicht nur Arbeitserleichterung. Die Güte des Wassers und auch die Tatsache, dass rund um den Brunnen Gemüsegärten entstehen, tragen zur Verbesserung der Gesundheit, dem Rückgang von Ernährungsmängeln und somit zur Hebung der Lebensqualität der Dorfbewohner bei“, erzählt Louis Tankoano, Leiter unserer Partnerorganisation und führt weiter aus: „Einen Brunnen zu bauen allein ist nicht genug – um zu gewährleisten, dass der Brunnen über Jahre Wasser geben wird, müssen Dämme errichtet werden. Sie bewirken, dass die Verweilzeit des in der Regenzeit im Überfluss vorhandenen Wassers erhöht wird und in den Boden einsickern kann“. Mehr als 30.000 Personen in der Region Diapaga haben bereits von den über 40 gebauten Brunnen und Dämmen profitiert, diese erfreuliche Entwicklung führt dazu, dass sich Sei So Frei und Brunder und Schwester in Not langsam zurückziehen können.

Tin Sedi führt auch ein Bildungszentrum in der Region, um die Hilfe noch umfassender und nachhaltiger gestalten zu können. Während der Trockenzeit kommen junge Familien aus den umliegenden Dörfern hier zusammen und lernen einfache Verbesserungsmöglichkeiten für das alltägliche Leben: Die Männer erfahren Neues in Sachen Ackerbau, Düngeraufbereitung, Viehzucht oder Brunnenbau. Hauswirtschaft, Hygiene, Gesundheit und Ernährung sind Themen, die vor allem für die Frauen wichtig sind. „Wenn es für die Menschen auf dem Land erst einmal wieder Lebens- und Zukunftsperspektiven gibt, kann die Abwanderung der jungen Leute in die Städte gebremst werden. Denn dort kommen sie erst recht vom Regen in die Traufe. In den Slums sind ihre Zukunftschancen noch trister“, erklärt Louis Tankoano.

“Einen neuen Brunnen haben wir uns schon lange gewünscht, jetzt haben wir einen in der Nähe. Vielen Dank!“, sagt Rachell Sanou in ihrer Stammessprache und mit leuchtenden Augen. Die junge Frau trägt ihr Baby in einem Tragetuch, das sie hin und wieder fester bindet, weil es sich beim Wassertransport gelockert hat. Das Leben vieler Frauen hat sich mit dem Bau der neuen Brunnen zum Guten verändert. Wo immer ein Brunnen entsteht, werden auch Frauengruppen gebildet und Getreide- & Gemüsegärten angelegt. Das sichert die Ernährung und schafft Einkommen, denn nicht selbst benötigtes Gemüse, wird am Markt verkauft. „Für uns bedeutet das, das erste Mal in unserem Leben eigenes Geld zu verdienen und für unsere Familie sorgen zu können. Wir wollten aber noch mehr aus unserem neuen Zugang zu Wasser machen. Eine Gruppe von uns wollte eine Getreidemühle betreiben. Dafür fehlten uns aber die Grundkenntnisse und wir konnten weder lesen noch schreiben“, erzählt Rachell weiter.

Sobald ein Brunnen gegraben ist, steht ein Garten daneben! Gesundheitliche Verbesserungen, Vitamine – meist das erste Mal auf dem Tisch – und das erste geringe Einkommen durch einen Überfluss an Pflanzen, der auf dem Markt verkauft werden kann. Die Auswirkungen der Brunnen sind schlicht eindrucksvoll.

Hartmut Dünser, Romero-Preisträger und langjähriger Unterstützer des Projekts

LESEN, SCHREIBEN UND GETREIDEMÜHLEN

Der Anteil der Menschen in Diapaga, die weder lesen noch schreiben können, ist allgemein sehr hoch. Unter den Frauen beträgt er in ländlichen Gegenden sogar über 90 %. Das vor allem deshalb, weil traditionell die Fähigkeit, Lesen und Schreiben zu können, für Frauen als nutzlos betrachtet wird. Unter dem Schutz von Tin Sedi und mit Hilfe von Sei So Frei und Bruder und Schwester finden sich nun immer mehr Frauengruppen zusammen, um das zu ändern. Die Getreidemühlen sind dafür der Anlass. Für die Verwaltung einer Mühle benötigen die Frauen nämlich einfache Rechen- und Schreibkenntnisse. Motiviert nehmen sie die Mühen auf sich und besuchen neben der Hausarbeit, einen Alphabetisierungskurs und anschließend einen Verwaltungskurs. 900 Frauen konnten so bereits lesen und schreiben lernen. „Ihr Leben verbessert sich nicht nur durch den Bau der neuen Brunnen, sondern auch durch die Alphabetisierungskurse. Dank der Brunnen in ihrer Nähe haben sie nun auch die Zeit, lesen und schreiben zu lernen“, betont Louis Tankoano.

Die Kosten eines Brunnens inklusive der Errichtung eines Steindammes belaufen sich auf 1.300 Euro. Alleine in den letzten zwei Jahren konnten 12 neuen Brunnen rund um Diapaga gebaut werden. Der Romero-Preisträger Hartmut Dünser blickt dankbar zurück: „Ich bin regelmäßig tief beeindruckt, dass uns so viele Fortschritte gelungen sind, die mit so viel Enthusiasmus von den Menschen der Region aufgenommen und weitergeführt werden.“ Nun werden sie auf eigenen Beinen stehen.

UNSERE WEITEREN

ZIELE

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Dieses Projekt steht mittlerweile erfolgreich auf eigenen Beinen. Unsere weiteren Projekte benötigen aber noch dringend unsere Unterstützung. Helfen Sie mit, die Menschen in unseren Projektgebieten in Afrika und Lateinamerika auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und Gerechtigkeit zu unterstützen!