Donnerstag 24. Mai 2018

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"Belo-Monte" wird nicht gebaut

 

Der drittgrößte Stausee der Welt sollte im brasilianischen Amazonas-Becken mit dem Bau des Belo-Monte-Staudamms entstehen. Die Proteste gegen das enorme Bauprojekt waren enorm.


Das Baukonsortium Norte Energie dürfe keine Infrastrukturmaßnahmen vornehmen, die den natürlichen Fluss des Xingu-Flusses und damit den Fischbestand und das Fischen der Ureinwohner beeinträchtigen, so das brasilianische Urteil. Eine Kanalumleitung für den Staudamm würde das Wasservolumen des Xingu, eines Seitenflusses des Amazonas, erheblich reduzieren und den Fischfang erschweren bzw. unmöglich machen.

 

Elf Prozent des Strombedarfs

Für die brasilianische Regierung ist das elf Mrd. Dollar (8,1 Mrd. Euro) teure Projekt zentral für die nationale Energieproduktion. Er sollte ab 2015 bereits elf Prozent des landesweiten Strombedarfs decken. Der Staudamm wäre auf eine Stromleistung von 11.000 Megawatt ausgelegt. Noch höhere Leistungen erbringen derzeit der ebenfalls brasilianische Itaipu-Stausee mit 14.000 Megawatt und der Dreischluchtenstausee in China mit 18.000 Megawatt.

Protestierende Ureinwohner des Amazonas

 

Die Kraftwerkspläne hatten im Frühjahr sogar zu Spannungen zwischen der brasilianischen Regierung und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) geführt. Deren Menschenrechtskommission hatte „zum Schutz der indigenen Bevölkerung“ eine sofortige Aussetzung des Genehmigungsverfahrens und der Bauarbeiten gefordert sowie Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Die Regierung bezeichnete die Forderungen als „voreilig und ungerechtfertigt“.

 

Auflagen nicht eingehalten

Erst im Juni hatte die brasilianische Umweltbehörde die endgültige Genehmigung für den Bau des Kraftwerks erteilt, da es Garantien für den Erhalt des Ökosystems und der Lebensgewohnheiten der Bevölkerung am Xingu-Fluss gebe. Das war dem Gericht, das nun den Baustopp anordnete, offenbar zu wenig.

Nur wenige Wochen vor der Entscheidung der Umweltbehörde hatte dieselbe Behörde in einem von brasilianischen Medien zitierten Bericht kritisiert, dass beim Bau des drittgrößten Staudamms der Welt die sozialen und Umweltschutzauflagen bis zu diesem Zeitpunkt größtenteils nicht eingehalten worden seien. Bei den Bauvorbereitungen seien bis April nur fünf der insgesamt 40 Auflagen erfüllt worden. Als einer der Hauptverstöße gegen die Auflagen wurde dem Bericht zufolge die mangelnde Vorbereitung auf den massiven Ansturm Tausender Wanderarbeiter für den Staudamm kritisiert.

 

500 Quadratkilometer überflutet

Für die Entschädigung der Ureinwohner waren bei Genehmigung des Projekts umgerechnet rund 570 Mio. Euro veranschlagt worden. Der Stausee hätte rund 500 Quadratkilometer Land überflutet. Die Bewegung Xingu Vivo ging davon aus, dass rund 20.000 Einwohner ihren Lebensraum verloren hätten. Andere Schätzungen gehen von 30.000 bis 40.000 Umsiedlungen aus. Umso intensiver waren die Proteste gegen das Projekt.

 

Prominente Gegner

Einer der engagiertesten Kämpfer gegen das Vorhaben war der aus Österreich stammende Bischof, Romero-Preisträger, Erwin Kräutler. Wie andere Kritiker sah er die Existenzgrundlage der dort lebenden Indios gefährdet.

Prominente Unterstützung erhielt die Protestbewegung aus Menschenrechtlern, Kirchenvertretern und Oppositionspolitikern mit dem Regisseur James Cameron und dem Sänger Sting. Cameron hatte gewarnt, die lokalen Stämme im Amazonas-Regenwald könnten Gewalt anwenden, um den Bau zu stoppen.

 

 

 

 

Romero-Preis 2011

 

unknown Die aus Vorarlberg stammende Afrika-Missionarin Sr. Maria Pacis Vögel wird posthum mit dem Romero-Preis 2011 ausgezeichnet. Die entwicklungspolitische Aktion SEI SO FREI der Katholischen Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) würdigt damit den jahrzehntelangen Einsatz der Ordensfrau der Wernberger Missionsschwestern zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Kenia und Tansania. Sr. Vögel war am 2. November 2010 nach kurzer Krankheit in Kenias Hauptstadt Nairobi, genau an ihrem 79. Geburtstag, verstorben.

Der mit 10.000 Euro dotierte Romero-Preis ist Österreichs bedeutendste Auszeichnung für herausragende Leistungen in der Entwicklungszusammenarbeit. In Würdigung des 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero von San Salvador wird er jährlich an Personen vergeben, die sich in besonderer Weise für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Entwicklung in Ländern des "Südens" einsetzen.

 

Im Gedenken an Sr. Vögel wird die Provinzoberin der "Missionsschwestern vom Kostbaren Blut" im Kärntner Wernberg, Johanna Maria Wagner, den Romero-Preis bei einem Festakt am 2. Dezember im Kulturhaus Dornbirn entgegennehmen.

 

Seit 1973 in Ostafrika

 

Sr. Maria Pacis (Irene) Vögel stammte Schwarzenberg im Bregenzerwald. 1957 trat sie bei den "Missionsschwestern vom Kostbaren Blut" in Wernberg ein und erhielt ihren Schwesternnamen Maria Pacis. 1973 wurde sie nach Kenia in Ostafrika gesandt. Als Missionarin war sie vor allem im Bildungsbereich tätig, hat in Schulen und Kinderheimen unterrichtet und diese auch zeitweise geleitet.

 

Von 1994 bis 2001 war Sr. Vögel Schuldirektorin der "Precious Blood Secondary School" in einem Slumgebiet am Rande Nairobis. Ab 2002 baute die Ordensfrau ebenfalls in der kenianischen Hauptstadt eine Volksschule für 200 Straßenkinder auf. Die Kinder können sich dort in geregelten Verhältnissen neu zurechtfinden. Zusätzlich zum Schulunterricht lernen die Kinder auch praktische Dinge wie den Anbau von Gemüse.


In ihren letzten Lebensjahren kümmerte sich Sr. Vögel um das Waisenhaus "Star of Hope Children's Home" (Stern der Hoffnung) in der kenianischen Stadt Juja, in dem missbrauchte und vernachlässigte Kinder ein neues Zuhause finden. Das Zentrum umfasst ein Kinderheim, einen Kindergarten, eine Volksschule und eine Landwirtschaft.

 

Link zur Preisverleihung

Kirche fordert von Politik mehr Geld für Entwicklungshilfe


Wien (KAP)- Mehr als 4.000 Projekte in insgesamt 118 Ländern mit einem Gesamtvolumen von 98,4 Millionen Euro konnten kirchliche Hilfsorganisationen im Vorjahr unterstützen. Noch nie konnten Projekte mit einem solchen Gesamtvolumen unterstützt werden. Das sei vor allem durch Spendengelder möglich geworden, berichteten Vertreter der Koordinationsstelle der Bischofskonferenz (KOO) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag in Wien. Gleichzeitig forderten sie von der Politik eindringlich eine deutliche Steigerung der Budgetmittel für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) und humanitäre Hilfe.

Aufgeschlüsselt auf die Mittelherkunft teile sich die Summe von rund 98,4 Millionen Euro auf eine Eigenleistung der kirchlichen Hilfsorganisationen - die vereinfacht erklärt mit Spendengeldern gleichzusetzen ist - von rund 85 Millionen Euro sowie rund 13,4 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln auf, erläuterte der KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl. Die öffentlichen Mitteln setzen sich aus Mitteln des Staates von etwa 8,5 Millionen Euro zusammen, der Rest stammt von Seiten der EU bzw. anderen Quellen.

 

Diese "Rekordsumme" von 2010 sei auch eine Folge der Not im "Jahr der Katastrophen 2010", u. a. mit dem Erdbeben in Haiti und der Flut in Pakistan, sagte der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz: "So sehr das Ausmaß der Katastrophen bestürzt, so sehr ist die enorme Solidarität auch ein Grund zur Freude."

 

Das "starke Signal der Mitmenschlichkeit", das Tausende österreichische Privatpersonen durch ihre Spendenbereitschaft setzten, "steht in einem dramatischen Gegensatz zur Untätigkeit des offiziellen Österreich", betonte der Bischof: "Wir fordern die politischen Verantwortlichen der Regierung dazu auf, sich ein Beispiel an der Bevölkerung zu nehmen und endlich einen angemessenen Beitrag zur weltweiten Bekämpfung von Armut und Hunger zu leisten."

 

"Österreich ist von den Geberländern jenes Land, das am meisten bei der Hilfe in den Entwicklungsländern spart. Das ist angesichts der Not ein Skandal", kritisierte KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl. "Die hohe Spendenbereitschaft der Österreicher beweist, dass das Anliegen angenommen wird und dass sie bereit sind für Solidarität." So sei es "unverständlich, dass die österreichische Regierung keinen angemessenen Beitrag leistet".

 

"Wir fordern von der Bundesregierung, dass die internationale Armutsbekämpfung als Aufgabe der gesamten Bundesregierung gesehen wird", betonte Hödl. Weiters fordere man die Rücknahme der Kürzungen der bilateralen EZA im Budget 2012, die Revision des bis 2014 geplanten Sparbudgets der Austrian Development Agency (ADA), eine gesetzliche Absicherung und einen verbindlichen Stufenplan für die Ausweitung der österreichischen Hilfe. Wenn dieses Versprechen nicht bald eingelöst werde, "ist die Glaubwürdigkeit und der Anstand der Regierung in Gefahr", so Hödl.

Schuhputz-Aktion in Niederösterreich


Die Mitterndorfer Firmkandiatinnen und Firmkandidaten gingen mit Spaß und Engagement an die Sache heran und auch die Mitglieder der Pfarrgemeinde und Kirchenbesucher haben sich aktiv daran beteiligt. Im Summe könnte für die kolumbianischen Straßenkinder der Betrag von 211,70 Euro erzielt werden.

Mit den Spenden werden 25 Mädchen und Buben im Straßenkinderheim „La Alegría“ in Pereira betreut. Hier haben sie nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Chance auf eine Schulbildung und Freizeitgestaltung.

 

Vielen Dank!

 

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SEI SO FREI kritisiert Bau vom Staudamm Belo Monte

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SEI SO FREI kritisiert die Erteilung der Baugenehmigung von der brasilianischen Umweltbehörde für das Staudammprojekt Belo Monte am Xingu-Fluss in Amazonien.

 

SEI SO FREI fordert die Errichter - darunter Andritz, Voith und Alstom - auf, ihre werdende Auftragsbeteiligung zurückzuziehen.


„Als ProjektpartnerInnen von Bischof Erwin Kräutler, Träger des Alternativen Nobelpreises 2010 und Romero-Preisträger, geben wir unserer Empörung Ausdruck und fordern die brasilianische Regierung auf, das Belo Monte-Staudammprojekt am Rio Xingú im Bundesstaat Pará aufgrund seiner gewaltigen sozialen, ökonomischen und ökologischen Risiken für das Amazonasgebiet umgehend zu stoppen“, so Helmut Dachs, stv. Vorsitzender von SEI SO FREI, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung. Aus diesem Grund hat SEI SO FREI eine Unterschriftenaktion gestartet mit einem Protestbrief an die Brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff.

„Fest steht, dass der Belo Monte-Staudamm ca. 500 km² Regenwald und landwirtschaftliche Nutzflächen überfluten und damit die Lebensgrundlage vieler traditioneller und indigener Gemeinschaften zerstören wird. Die reiche Tier- und Pflanzenwelt erleidet enormen Schaden. Aus diesem Grund appellieren wir an das französische Unternehmen Alstom, die deutsche Firma Voith und vor allem an das österreichische Konzern Andritz ihre Auftragsbeteiligung zurückzuziehen“, so Dachs.


SEI SO FREI unterstützt Bischof Kräutler jährlich mit 30.000 Euro.
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Hier können Sie online spenden und Bischof Kräutler unterstützen.


 

Uganda

„Empower the woman to enhance development!“

(„Stärke die Frau zur Förderung von Entwicklung!”)


Eröffnung des Mädchenwohnheims St. Matias Mulumba

 

Kinderreichtum und Patriachismus sind prägend für die Familienstruktur in den ländlichen Regionen im Westen Ugandas. Meist leben die Menschen hier am Existenzminimum und so fehlt das nötige Geld für die Schulbildung aller Kinder. Die Frauengruppe „Catholics Women Association St. Martha“ in der Gemeinde Ibanda leistet bereits wichtige Bewusstseinsarbeit zu Themen wie natürliche Geburtenregulierung, Frauenförderung, Paarberatung, uvm. Der 12. Mai 2011 war jedoch für diese engagierten und couragierten Frauen ein besonders bedeutsamer Tag: Das gemeinsam mit SEI SO FREI Linz erbaute und bereits seit ca. 2 Jahren betriebene Mädchenwohnheim St. Matias Mulumba konnte feierlich eröffnet werden. Das Gebäude bietet 144 Mädchen aus der Bergregion neben einem geschützten Lebensumfeld die Möglichkeit, sich auf ihre schulische Ausbildung zu konzentrieren. Darüber hinaus können sie ihre Freizeit beispielsweise mit sportlichen Aktivitäten selbst gestalten.

 

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Basaliza Florence, SEI SO FREI Projektpartnerin und Leiterin der Frauengruppe „CWA St. Martha“ erzählt von dem schweren Los der Mädchen aus den Bergen Ibandas. Nicht selten werden diese auf ihren zwei- bis sechsstündigen täglichen Schulwegen Opfer von sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen. Nach der abendlichen Heimkehr besteht schließlich ihre Aufgabe in der Mitarbeit im Haushalt, auf dem Feld und in der Unterstützung der jüngeren Geschwister. Für Hausaufgaben und Lernen fehlt dann abends das nötige Licht. Außerdem werden viele Mädchen von ihren Vätern bereits vor Abschluss der Grundschule mit 13/14 Jahren verheiratet.

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Dr. Franz Hehenberger (r.) und Basaliza Florence

 

Die Frauen von St. Martha übernehmen daher zusätzlich die Obhut für die Bewohnerinnen des Mädchenwohnheimes d.h.: Versucht ein Vater seine Tochter vorzeitig aus der Schule zu nehmen, um sie zur Heirat zu zwingen, sieht er sich mit den Frauen der Gruppe konfrontiert, die gemeinsam mit dem örtlichen Pfarrer und notfalls mit polizeilicher Unterstützung für die Rechte der Mädchen eintreten.

 

Den Besuch von Franz Hehenberger und Christina Lindorfer von SEI SO FREI Linz nützte die Gruppe für die offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten und Segnung des Gebäudes. Höhepunkt war dabei die symbolische Übergabe des Wohnheimschlüssels an die Frauen von St. Martha durch Franz Hehenberger. Dies sollte allen Besuchern zeigen, dass die Frauengruppe „CWA St. Martha“ tatsächliche Eigentümerin und Betreiberin der Einrichtung ist. Ein bewegender Moment für alle Beteiligten!

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Segnung durch Bischof Egidio

 

Der Bau eines Mädchenwohnheimes wirkt zwar nur wie ein kleiner Schritt in Richtung Entwicklung in Uganda. Für jedes Mädchen und jede Frau, die dadurch jedoch die Möglichkeit für Bildung und einen Schulabschluss erhält, kann das jedoch ein großer Schritt in Richtung selbstbestimmte Zukunft sein! Daher das Motto des Wohnheims: „Empower the woman to enhance development!“

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Vielen Dank für Ihre Spende, die den Mädchen dies ermöglicht!

 

NGOs fordern Trendwende bei Finanzierung der Entwicklungshilfe


Wien (KAP) - Eine Trendwende bei der Finanzierung der österreichischen Entwicklungshilfe fordern SEI SO FREI, die Caritas, "AG Globale Verantwortung" und die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO). 

Die AG Globale Verantwortung, Caritas Österreich und die KOO präsentierten am Donnerstag, 20.05.2011 in Wien den "AidWatch Report 2011"; der Bericht vergleicht die Ausgaben der EU-Staaten für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. Österreich findet sich dabei in einer Gruppe mit EU-Schlusslichtern wie Griechenland, Portugal, Italien und den wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern Osteuropas. Bei der konkreten Projekthilfe - sie wird mit dem am Mittwoch im Nationalrat beschlossenen Budgetfahrplan bis 2014 um ein Drittel gekürzt - liegt Österreich schon jetzt an letzter Stelle der "EU 15".

 

Österreichs Entwicklungspolitik gebe ein "blamables Bild" ab, sagte Caritas-Präsident Franz Küberl bei der Präsentation des Berichts. Er forderte einen strukturellen "Totalumbau" der Entwicklungshilfe. Alle staatlichen EZA-Gelder aus verschiedensten Ministerien sollten in einem "Fonds für Entwicklung und humanitäre Hilfe" zusammengefasst werden. Küberl schlug zudem vor, die Hälfte der Flugticketabgabe zur Rücknahme der Einsparungen und die Erhöhung der EZA-Ausgaben zu verwenden: "Die Kürzungen und der Reformunwille in diesem Bereich gehen auf Kosten tausender Not leidender Menschen."

 

Insgesamt 905 Millionen Euro oder 0,32 Prozent vom Bruttonationaleinkommen (BNE) hat Österreich 2010 im Rahmen der für internationale Statistiken anrechenbaren öffentlichen Entwicklungshilfe (Official Development Assistance, ODA) ausgegeben. Gegenüber 2009 (0,30 Prozent vom BNE) bedeutet das zwar eine leichte Steigerung; das Ziel 0,51 Prozent vom BNE für Entwicklungshilfe auszugeben, hat Österreich aber klar verfehlt.

 

Spezielle Kritik bei den NGOs lösen die von der Regierung angeordneten Budgetkürzungen bei der "Austrian Development Agency" (ADA) aus. Die Agentur setzt im Auftrag des Außenministeriums die konkrete Projekthilfe und Entwicklungsprogramme in der "Dritten Welt" um und kooperiert dabei mit öffentlichen Einrichtungen, NGOs und Unternehmen. Das ADA-Budget wurde nun um ein Drittel, von rund 100 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 65 Millionen Euro im Jahr 2014, gekürzt. Der Anteil der "gestaltbare Entwicklungshilfe" Österreichs, die neben Schuldentilgungen oder Beiträgen zu internationalen Finanzinstitutionen (Weltbank, IWF) ohnehin nur einen kleinen Teil der gesamten ODA-Ausgaben ausmacht, sinkt damit weiter.

 

"Das Außenministerium hat von 2010 auf 2011 zehn Millionen Euro bei der direkten Projekthilfe eingespart", stellte Küberl bei der Pressekonferenz einen Vergleich an. Im gleichen Zeitraum sei das Budget der Außenbeamten für Übersiedlungen, Ausstattungskosten und Wohnausgaben um sieben Millionen Euro erhöht worden. Küberl: "Ich verstehe einfach nicht, warum in einem 70-Milliarden-Haushalt nicht zehn Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit zu finden sind."

 

Langfristige Hilfe in Gefahr

 

"Langfristig wirksame Hilfsprogramme sind massiv gefährdet", betonte KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl. Notwendig sei eine echte Trendwende bei der Dotierung der Entwicklungszusammenarbeit, so Hödl. Österreich müsse sich gesetzlich zur Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des BNE bis 2015 verpflichten. Von der Regierung forderte Hödl zudem mehr Einsatz im Kampf gegen Steueroasen und die Einführung der Finanztransaktionssteuer auf europäischer Ebene.

 

Österreichs Bevölkerung unterstütze die Entwicklungshilfe, betonte der KOO-Geschäftsführer. Drei von vier Österreichern seien laut Eurobarometerumfrage für die Beteiligung des Landes an Entwicklungshilfe. Darüber hinaus engagierten sich "zigtausende" Menschen in Pfarren und Vereinen für die EZA. "Private Organisationen stellen jährlich rund 100 Millionen Euro für Projekte zur Verfügung", betonte Hödl.

 

Politische Interessen vor Armutsbekämpfung


Insgesamt zeigt der "AidWatch"-Bericht, dass die EU-Staaten ihre Ziele bei der Finanzierung der Entwicklungshilfe klar verfehlt haben. Statt der angestrebten 0,56 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung wurden 2010 nur 0,43 Prozent geleistet. "Diese Lücke entspricht 15 Milliarden Euro, die Europa den Ländern der Dritten Welt vorenthält und die nicht in Gesundheit oder Bildung in armen Ländern investiert werden", betonte Petra Navara vom NGO-Dachverband "AG Globale Verantwortung".

 

Eine genaue Analyse der Daten zeige auch, dass die Entwicklungshilfegelder der EU statt dem eigentlichen Ziel der Armutsbekämpfung immer mehr den außenpolitischen Zielen der einzelnen Mitgliedsländer dienen, berichtete Navara. Ein Trend, der auch in Österreich sichtbar sei, so die Entwicklungsexpertin: "Die Entwicklungszusammenarbeit wird zunehmend von anderen Politikbereichen instrumentalisiert. Auf der Strecke bleiben jene, die internationale Hilfe zum Überleben brauchen."

 

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